Was ist Kaltseife / kaltgerührte Seife — und warum ist es anders?
4. Juni 2026
Geh in den nächsten Supermarkt und nimm dir eine «Seife» aus dem Regal. Dreh sie um. Sehr wahrschienlich siehst du das Wort «Seife» nirgends auf der Packung. Stattdessen findest du «Pflegebar», «Reinigungsbar» oder «Syndet» — weil die meisten Produkte rechtlich gesehen gar keine Seife sind.
Echte Seife wird seit Jahrtausenden auf dieselbe Art hergestellt: Öle mit einer Lauge verbinden, warten — und es entsteht etwas, das sanft reinigt und deine Haut pflegt anstatt austrocknet. Kaltgerührte Seife ist genau das. Hier erfährst du, was das Kaltverfahren bedeutet — und warum es einen Unterschied macht.
Was ist Kaltseife?
Kaltgerührte Seife (auch: Kaltseife oder CP-Seife vom englischen «cold process») wird hergestellt, indem Öle und Buttern mit Natriumhydroxid — also Natronlauge — in einer chemischen Reaktion namens Verseifung verbunden werden. Das Ergebnis ist echte Seife: Fettsäuresalze, die effektiv reinigen, ohne die natürliche Schutzbarriere deiner Haut anzugreifen.
Das «Kalt» im Kaltverfahren bezieht sich darauf, dass beim Mischen keine externe Wärme zugeführt wird. Die Verseifungsreaktion erzeugt ihre eigene Wärme. Nach dem Eingießen in die Form trocknet die Seife 24 bis 72 Stunden lang, bis die Reaktion vollständig abgeschlossen und die Seife fest geworden ist.
Danach brauchen die Seifenstücke vier bis sechs Wochen vollständig auszuhärten. In dieser Zeit verdunstet überschüssiges Wasser, und die Seife wird zu einem dichten, langlebigen Pflegematerial, das du auch unter der Dusche verwenden kannst.
Was am Ende übrig bleibt, ist ein aus genau dem, was du hineingegeben hast — und nichts weiter.
Wie sie hergestellt wird: Öle + Natronlauge + Wasser
Jede kaltgerührte Seife beginnt mit Ölen und Buttern. Diese enthalten Fettsäuren — die Bausteine, die die Qualität der Seife bestimmen: wie hart sie ist, wie cremig der Schaum ist, wie pflegend sie sich anfühlt.
Wenn du Natronlauge — also in Wasser gelöstes Natriumhydroxid — zu diesen Ölen gibst, beginnt die Verseifungsreaktion. Jedes Fettsäuremolekül verbindet sich mit einem Natriumion aus der Lauge und bildet ein Seifenmolekül. Das Glycerin, das ursprünglich Teil des Öls war, wird als Nebenprodukt freigesetzt — und bleibt in der Seife.
Dieser letzte Punkt ist entscheidend. Industrielle Seifenhersteller entfernen das Glycerin während der Produktion und verkaufen es separat an die Kosmetikindustrie — oder sie geben Glycerin als Inhaltsstoff zu synthetischen Seifen. In kaltgerührter Seife bleibt das Glycerin dort, wo es hingehört: in der Seife.

quelle: jennifer soap
Was kaltgerührte Seife von industrieller Supermarktseife unterscheidet
Die meisten Seifen im Supermarkt sind im traditionellen Sinne keine Seife. Sie werden durch einen Detergenzien-Verfahren mit synthetischen Tensiden hergestellt — meistens aus Erdöl gewonnen, und sie entfernen alles von deiner Haut, einschliesslich der Öle, die deine Haut tatsächlich braucht.
Das steckt typischerweise in einem Industrieseife:
- Synthetische Tenside (Natriumlaurylsulfat, Natriumlaurethsulfat) — entfetten aggressiv
- Konservierungsstoffe — notwendig, weil wasserbasierte Inhaltsstoffe sonst verderben würden
- Palmölderivate — günstiger Härter, oft aus nicht zertifizierten Quellen
- Glycerin entfernt oder synthetisch ersetzt — in der Produktion herausgefiltert und separat verkauft oder als billiges Feuchthaltemittel wieder hinzugefügt
Kaltgerührte Seife enthält nichts davon — von Natur aus. Der Verseifungsprozess ist selbst das Konservierungsmittel: Die Natronlauge eliminiert Krankheitserreger während der Reaktion, und der hohe pH-Wert in Kombination mit fehlendem freistehendem Wasser lässt keine Bakterien entstehen.

Warum kaltgerührte Seife für deine Haut so gut ist
Da kaltgerührte Seife ihr Glycerin behält und vollständig aus Ölen und Buttern besteht — die vollständig oder nur teilweise verseift sein können (eine Überfettung von 5–8 % ist bei Kaltseifen üblich, das heisst, 5–8 % dieser Öle und Buttern verbleiben in ihrer ursprünglichen Form in der Seifen) — wirkt sie ganz anders auf deine Haut als ein Industrieseife.
Sie reinigt, ohne zu entfetten. Die Seifenmoleküle lösen Schmutz und überschüssiges Hautöl, aber das Glycerin und die verbleibenden pflegenden Öle sorgen dafür, dass sich deine Haut gepflegt anfühlt.
Sie schont das pH-Gleichgewicht deiner Haut. Synthetische Tenside können den leicht sauren pH-Wert der Haut stören. Kaltgerührte Seife ist zwar selbst leicht alkalisch (pH 8–9), spült aber rückstandslos ab und verursacht langfristig weniger Irritationen — besonders bei empfindlicher Haut.
Sie arbeitet mit deiner Hautschutzbarriere, nicht dagegen. Die Fettsäuren aus den verwendeten Ölen (Olivenöl, Kokosöl, Sheabutter) spiegeln die Lipide in deiner Haut wider und unterstützen so die natürliche Barriere, anstatt sie abzutragen.
Die Öle, die wir bei the curated verwenden — und warum
Jede unserer Seife beginnt mit denselben Basisölen, ausgewählt danach, was sie zur fertigen Seife beitragen.
Olivenöl verleiht der Seife einen sanften, hautpflegenden Charakter. Es ist reich an Ölsäure, was den Schaum cremig statt fluffig macht und die Haut weich fühlen lässt.
Rapsöl ist unser lokaler Schweizer Allrounder — nachhaltig, reich an Linolsäure und hervorragend geeignet für einen stabilen, pflegenden Schaum.
Kokosöl sorgt für Härte und einen fluffigen Schaum. Ohne es wäre eine Seife zu weich und würde nicht so effektiv reinigen.
Rizinusöl wird in kleinen Mengen zugegeben, um den Schaum zu stabilisieren und die Seife weiter zu härten.
Sheabutter sorgt für tiefgehende Pflege und verleiht der fertigen Seife ein glattes, cremiges Gefühl auf der Haut.
Keine unserer Seifen enthält Palmöl. Obwohl Palmöl funktionell ein sehr guter Bestandteil von Seifen sein kann, gibt es seit langem Probleme mit den nicht wirklich umweltschonenden Produktionsprozessen.
Wo wir Duftstoffe verwenden, kommen sie aus ätherischen Ölen oder kosmetisch zugelassenen, zertifizierten Parfümölen ohne schädliche Inhaltsstoffe. Einige unserer Seifen sind mit Absicht duftfrei — für diejenigen, die auf Parfüme empfindlich reagieren.
...Noch etwas, das sich lohnt zu erwähnen
Kaltgerührte Seife ist ein lebendes Produkt. Sie verbessert sich mit der Zeit — die Seife wird härter, der Schaum cremiger, der Duft milder. Eine frische Seife ist problemlos verwendbar, aber eine Seife, die sechs Monate bis ein Jahr gereift ist, ist tatsächlich noch besser. Eine gut formulierte Seife bleibt problemlos drei bis vier Jahre frisch.
Bewahre sie zwischen den Anwendungen trocken auf — dann hält sie sehr lange.
Möchtest du kaltgerührte Seife probieren?
Unsere botanischen Seifen: https://www.thecurated.ch/de/collections/botanical-soaps
Unsere Milchseifen: https://www.thecurated.ch/de/collections/milk-soaps
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